Scham, Halbwissen und gesellschaftliche Tabus prägen bis heute den Umgang mit Themen wie Zyklus, Menstruation und Safer Sex. Genau hier setzte das Seminar "TABU - Zyklus verstehen. Verhütung fair denken. Sex sicher leben." an. Es wurde ein Raum geboten, in dem offene Gespräche nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht waren.
Schnell wurde klar, wie tief gesellschaftliche Scham run um Zyklus, Verhütung und Safer Sex verankert ist. Persönliche Erfahrungen machten deutlich, wie oft Menschen lernen, über ihre Körper zu schweigen, Beschwerden herunterzuspielen oder Unsicherheiten für sich zu behalten. Genau diese Mechanismen sichtbar zu machen, war eines der zentralen Anliegen des Tages.
Besonders eindrücklich war der Vortrag von Prof. Dr. Mandy Mangler. Sie erklärte nicht nur die biologischen Grundlagen des Zyklus, sondern zeigte vor allem, wie eng körperliche Prozesse mit mentalem Wohlbefinden, Leistungsdruck und gesellschaftlichen Erwartungen verbunden sind. Der Zyklus wurde dabei nicht als "Problem" dargestellt, sondern als natürlicher Bestandteil des Körpers, dessen Verständnis zu mehr Selbstwahrnehmung und Gesundheit beitragen kann.
Auch die Frage nach gerechter Verhütung zog sich durch den gesamten Tag. Warum liegt Verantwortung für Verhütung gesellschaftlich noch immer überwiegend bei nicht-männlichen Personen? Warum fehlen oft Informationen über Alternativen, Risiken und Nebenwirkungen? Und weshalb ist der Zugang zu gynäkologischer Versorgung für viele Menschen noch immer mit Diskriminierung, Unsicherheit oder finanziellen Hürden verbunden?
Statt einfache Antworten zu liefern, lud die Veranstaltung dazu ein, gemeinsam kritisch zu hinterfragen. In interaktiven Stationen wurden Erfahrungen geteilt, Mythen aufgedeckt und Verhütungsmethoden kennengelernt.
Besonders spannend waren die Gruppendiskussionen zu gesellschaftlichen Machtstrukturen rund um Sexualität und reproduktive Gesundheit. Themen wie die politische Unsichtbarkeit von Menstruation, die gesellschaftliche Kontrolle über nicht-männliche Sexualität oder der Zusammenhang zwischen Tabus und fehlender Selbstbestimmung sorgten für intensive Gespräche. Immer wider wurde deutlich: Wissen über den eigenen Körper ist nicht nur privat, sondern auch politisch.
Ein weiteres Highlight war der Workshop zweier Sexualpädagoginnen von Donum Vitae Lüneburg e.V.. Hier standen praktische Aufklärung und niedrigschwellige Wissensvermittlung im Fokus. Von Barrieremethoden bis hin zu hormonfreien Alternativen wurden verschiedene Verhütungsmöglichkeiten vorgestellt und kritisch eingeordnet. Besonders wertvoll: Alle Fragen konnten anonym gestellt werden - ein Angebot, das intensiv genutzt wurde.
Zum Abschluss wurde im Rahmen eines Quizzes gemeinsam über Mythen und Fakten rund um Verhütung und Safer Sex gesprochen und diskutiert. Was blieb, war nicht nur neues Wissen, sonderm auch das Gefühl, mit Unsicherheiten und Fragen nicht allein zu sein.